Ich bin ohne jegliche Erwartungen nach Vietnam gereist. Die Stichwörter in meinem Kopf waren Vietnamkrieg, Kommunismus und viele Menschen – was zumindest teilweise eine ganz gute Beschreibung ist.

Wir haben eine Tour von Hanoi nach Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) gemacht, mit Stops in Hue und Danang. In diesem Teil möchte ich Euch von meiner persönlichen Erfahrung berichten und sowohl von beeindruckenden als auch von eher abschreckenden Erlebnisse erzählen.

Alle weiteren Teile des Tripreports “Die richtige Mischung aus First Class und Backpacking”, sowie alle Erklärungen zur Buchung der Route findet Ihr in diesem Post!

Was ich sehen will und der erste Schock

Ich bin kein Typ für Museen oder klassisches Sightseeing. Mich interessiert bei Ländern & Städten das Gefühl einer Umgebung, wie die Menschen agieren und wie der Alltag abläuft.

Armut und Reichtum sind trotz”Kommunismus” nah beieinander

Wer das aufgeräumte westliche Leben gewohnt ist, fühlt sich erst einmal von der schieren Menge an Menschen etwas überfordert. Alles geht durcheinander und der Verkehr ist eine Katastrophe. Jeder fährt nach dem Motto “wenn jeder an sich denkt, ist doch an alle gedacht”.

Den Hund auf dem Motoroller mitnehmen? Kein Problem!

Schnelligkeit ist außerdem nicht gerade eine Kernkompetenz der Menschen. Die Bestellung eines Wassers im Restaurant dauert gerne eine halbe Stunde und das Nachfragen nach dem Verbleib der Bestellung werden verwundert mit “on it’s way” zurückgewiesen.

Die schöne Seite und lachende Kinder in Vietnam

Wenn man den ersten Schock überwunden hat und den Jetlag ausgeschlafen hat, zeigt sich allerdings auch eine andere Seite des Landes. Sobald die reisenden Geschäftsleute im Hotel angekommen sind, erwacht das Leben der einfacheren Vietnamesen. Gaskocher und kleine Stühle werden auf die Straße geholt und es wird zusammen gekocht, vom Baby bis zur Oma sind alle dabei.

Es zeigen sich auch weitere schöne Seiten. Die Menschen, vor allem die jüngeren, sind ausgesprochen freundlich. Schulkinder fragen einen häufig nach der Herkunft und Namen, grinsen einen an und möchten Fotos machen.

Deutlich wird ein gewisses Gefälle bezüglich der Sprachkenntnisse: Mit den meisten älteren Vietnamesen kann man außer mit einem Übersetzer und viel Zeichensprache nicht ernsthaft kommunizieren, während die jungen Vietnamesen häufig fließend Englisch sprechen. Sinnbildlich hierfür ist wohl, dass einem Taxifahrer das Land “Germany” komplett unbekannt war. Mich hat die Sprachbarriere dabei sehr gestört. Die Menschen waren aber trotzdem immer sehr freundlich im Umgang, es war nur leider unmöglich, eine tiefere Verbindung herzustellen und mehr über die Menschen zu erfahren beziehungsweise ein echtes Gespräch aufzubauen.

Die ansprechenden Teile des Landes

Ich bin prinzipiell ein Freund von großen Städten. New York hat eine eigene Dynamik, die mich jedes Mal erneut in ihren Bann zieht und auch andere Städte erkunde ich immer wieder gerne. Doch in Vietnam habe ich das alles ein wenig anders gesehen.

Während sich in den großen Städten auch kurze Wege durch das Verkehrschaos in die Länge ziehen, verläuft das Leben in den kleineren Städten deutlich entspannter. Als Mensch mit empfindlicher Nase und dem gewohnten Geruch von glasklarer Luft, hat mich der Smog in den Städten sehr gestört. Auch dieser ist in den kleineren Städten deutlich weniger vorhanden.

Millionen von Motorrollern sind in den Großstädten unterwegs

Als wir auf einer längeren Strecke mit dem Bus durch die Landschaft gefahren sind, zeigte sich das “alte” Vietnam. Reisbauern auf den Feldern neben ihren Tieren, schöne alte Häuser und traditionell lebende Menschen. Ich würde deswegen jedem raten, neben dem obligatorischen Besuch von Hanoi beziehungsweise Ho-Chi-Minh-City, eine Tour durch das “alte” Vietnam zu machen.

Von vielseitigen Städten in Vietnam

Was allerdings auch mir an Saigon gefallen hat, war die Vielseitigkeit. Gewohnt haben wir in einem Hostel im Backpacker-Viertel, wo ich mich ein wenig wie auf Mallorca gefühlt habe. Ausschließlich deutsche Stimmen auf der Straße, Clubs & Bars an jeder Ecke und überall war dauerhaft Happy Hour, außerdem blinkende Lichter an jedem Haus.

Nur schwer von einem Partyviertel in Bangkok zu unterscheiden

Läuft man in Richtung Stadtzentrum, führt der Weg durch das Vietnam der einfachen Leute. Kleine Wohnungen, Kinder auf den Straßen und alles hat eine familiäre Stimmung. Und läuft man noch ein paar Kilometer weiter, erreicht man das Geschäftszentrum, in dem man viele Amerikaner hört, sämtliche Hotelketten vertreten sind und Wirtschaftsgrößen in hohen Gebäuden sitzen. Diese Unterschiede auf wenigen Kilometern Entfernung zu erleben, hat einen gewissen Charme.

Gibt es denn schon viel Tourismus?

Abgesehen vom genannten Backpacker-Viertel in Saigon, blieb mir der Massentourismus eher verborgen. Die Menschen waren lange nicht so aufdringlich wie zum Beispiel in Thailand und alles wirkte natürlicher. Anders ist es, wenn man typisch touristische Aktivitäten plant. Am zweiten Tag in Hanoi unternahmen wir eine Tour nach Ha Long Bay, einer Bucht, die einige Stunden entfernt von der Stadt liegt.

Kajak fahren in Ha Long Bay

Die Tour erinnerte dabei an schlimmsten Pauschaltourismus mit nervigen Guides und der typischen deutschen Reisegruppe, was mich persönlich sehr abschreckt. Dabei habe ich nichts gegen eine gut durchdachte Tour. Hier war es einfach sehr schlecht durchgeführt mit zwanghaft witzigem Guide, langen und unbequemen Fahrten und mehr.

Eine Woche in Vietnam – Fazit

Ich bin beeindruckt von dem Land. Von den freundlichen Menschen, von den kleinen Städten wie Hue. Die ganze Reise über habe ich mich sehr sicher gefühlt und war gerne auf den Straßen unterwegs, was mir auch allein reisende Frauen bestätigt haben. Das einzige Museum, das ich besucht habe, war in Saigon zum Thema Vietnamkrieg. Ich würde einen Besuch jedem empfehlen, man kommt neugierig und geht geerdeter und berührt. Es ist wirklich unfassbar, was noch vor einigen Jahrzehnten in diesem Land geschah.

Spannend und berührend – das War Remnants Museum

Als Fazit bleibt mir, dass ich gerne mehr erfahren würde. Die Menschen waren etwas schwer greifbar durch die fehlende Verständigung und vielleicht muss man für einen authentischen Eindruck etwas mehr Zeit einplanen und auch ländlichere Regionen besuchen. Wer eine Asienreise plant: Schaut Euch Vietnam an! Und berichtet mir anschließend von Eurem Eindruck! Übrigens: Moritz (Lindner) stellt Euch in den nächsten Monaten noch einen detaillierten Reisebericht zu den verschiedenen Städten in Vietnam vor!

Autor

Seit Moritz herausgefunden hat, wie man Wege an eigentlich unerreichbare Ziele finden kann, ist er immer auf der Suche nach neuen, kreativen Methoden zum Erreichen von Reisezielen und Airline-Status. Auf reisetopia lässt er Euch daran teilhaben!

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